So hinter(n)listig

So hinter(n)listig

Hans-Joachim Gregor ist in Olching bekannt „wie ein bunter Hund“ – das sagt er selbst und dann wird das schon stimmen. Denn der 74-Jährige ist ein ebenso anerkannter wie akribischer Naturwissenschaftler: Geologe, Paläontologe, Anthropologe, Archäologe ... „Als freiberuflicher Wissenschaftler muss man flexibel sein“, sagt der freundliche Herr und lacht. Wegen seiner vielen beruflichen Qualifikationen, seinen hochinteressanten Entdeckungen, Ausstellungen und Führungen ist er in Olching allerdings nicht bekannt. Vielleicht noch ein bisschen wegen des merkwürdigen Steingebildes in seinem Vorgarten, bei dem man rätselt, ob da ein verknoteter Riesenregenwurm oder ein verkünstelter Monster-Maulwurf aus der Erde schaut (ist aber „nur“ eine natürlich geformte, geologische „Laune der Natur“ aus der Erdkruste). Bekannt ist der Olchinger seit einiger Zeit wegen seiner zwei Quadratmeter großen Gästetoilette. Denn in ihr befindet sich das wohl kleinste und wegen seiner Thematik einmaligste Museum: Ein Klo-Museum, das sich speziell einem bislang tabuisierten Thema widmet.

 

Naturwissenschaftler ist Hans-Joachim Gregor seit seinem 10. Lebensjahr. „Das ist ein wunderbarer Beruf“, strahlt er und erzählt sogleich von abenteuerlichen Reisen, die ihn in die entlegensten Winkel der Erde geführt haben. Und ganz naturgemäß wurde er überall, und auf die eine oder andere Art, mit stets einer und derselben Thematik konfrontiert: Dem Wo (der Erleichterung) und der anschließenden Reinigung des involvierten Körperteils ... „Wie man sich den Hintern abwischt“, sagt Hans-Joachim Gregor geradeaus und lacht amüsiert auf. „Für einen Wissenschaftler gibt es kein Tabu.“

 

Bis zum Jahr 1979 machte aber auch er sich darüber wenig Gedanken. Bis zu jener denkwürdigen Ausgrabung in der Sahara, als der Wissenschaftler eines Abends erfuhr, wozu seine ägyptischen Kollegen stets die leeren Konservendosen verwenden ... Auf die Idee, jene als Ersatz für Toilettenpapier zu benutzen, wäre selbst er nicht gekommen. Sie brachte ihn aber zum Nachdenken. Fortan widmete sich der Forscher den Gepflogenheiten anderer Kulturen bezüglich Reinigung und Hygiene. Er begann zu hinterfragen, in Schriften, Büchern und auf Gemälden zu suchen und das Gesammelte in seiner Gästetoilette zu platzieren. Geboren war das Museum.

 

Seit dem „Tag der offenen Tür“ im November vergangenen Jahres ist Hans-Joachim Gregor jedenfalls bekannt wie ein „bunter Hund“. Oft klingeln Telefon oder Tür, weil jemand noch etwas weiß oder hat, was er vielleicht in seinem Museum verwenden kann. Was ihn freut. Obwohl hier eh schon kaum noch Platz ist. Aus derzeit 55 Objekten von vielen Teilen und Epochen der Welt besteht das Sammelsurium, inklusive Textnachweisen und Bildern. Und so unglaublich ist manches, dass auch ein so hartgesottener Wissenschaftler wie Gregor nur amüsiert den Kopf schütteln kann: Muscheln, Steine, Kokosschalen, abgenagte Maiskolben? Autsch! Aber dann wird Hans-Joachim Gregor doch ein wenig ernst: „Wenn man am Ende der Welt lebt, diskutiert man nicht, sondern ist auch dafür dankbar für das, was man hat.“ Petra Neumaier

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